Ich stand mal wieder im Wald…

Immer wenn ich nach Hause fahre schau ich mir, zumindest seit ich ausgezogen bin um Biologie zu studieren, die Gegend um unser Dorf herum an. Was die Geobotanik betrifft gibt’s bei uns jede Menge Kalkäcker und Kalkmagerrasen und den dafür recht typischen Bewuchs. Seit dem Uni-Botanik-Kurs betreibe ich regelrecht eine Bestandsaufnahme und kenne das meiste Grün- und Pilzzeug was bei uns wächst ziemlich gut. Zumindest solange es halbwegs interessant aussieht oder irgendwie nutzbar ist. Jedes Jahr finde ich auch wieder was Neues, so dass ich mittlerweile einen recht großen Fundus an Pflanzen und Pilzen habe die ich mit Namen, deutsch, lateinisch oder beides sicher erkenne.
Auch dieses Jahr habe ich bereits und will ich immer noch wieder ein paar mehr dieser sesshaften Lebewesen in meinem Hirn ein Plätzchen einräumen. Und speziell was Pilze betrifft, möchte ich auch gerne einigen ein Plätzchen in meinem Magen zuweisen. In Erlangen habe ich erste Ziegenlippen und Parasole bereits Anfang Juli entdeckt und guten Mutes bin ich also mit dem unglaublichen Tobi zusammen schon seit Wochen von mir zuhause aus in den Wald gestapft.

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Tobi vor einer der drei Dolinen in diesem Wald
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Sieht verdächtig nach einer Suhle aus

Bis auf ein paar schöne Plätzchen und Tierspuren wie z.B. skelettierte Vögel oder Wildschweinsuhlen haben wir aber im Juli nicht viel entdeckt.
Auch im August war ich nun 2-3 Mal im Wald. Ich wusste von meiner Familie, dass es die letzten Woche relativ warm aber auch sehr trocken war. Daher war ich, als es in der Nacht zu meinem Geburtstag heftig gewitterte und schüttete zuversichtlich, dass nun endlich mal etwas zu finden wäre. Also ging ich in den Wald, in dem es die letzten Jahre immer am zuverlässigsten Parasole und Maronen zu finden gab. Das einzige was ich fand war aber das:
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Der erste sah mir nachdem ich ihn nach allen Merkmalen auseinandergenommen hatte doch zu sehr nach einem giftigen Karbolchampignon aus als nach einem schmackhaften Waldchampignon. Baumschwämme mit holziger Konsistenz machen sich nicht allzu gut auf dem Speiseplan und der letzte war, verglichen mit dem Pilzbuch, entweder giftig oder zumindest ungenießbar. Nicht ein essbarer dabei.
Die nächsten Tage, die ich im Europapark verbrachte, sollte es zuhause auch recht viel geregnet haben. Rein theoretisch hätte sich der Boden also langsam einmal mit Wasser ausreichend vollgesogen haben. Also wieder ab in den Wald, dieses Mal zusammen mit meinem Vater, der zwar nicht mehr die besten Augen hat aber sich doch immer noch gut mit Pilzen auskennt.
Ich will einmal nicht so sein, es gab nicht gleich ganz nichts. Wir haben gerade genug gefunden, um ein Ein-Ei-Omelett zusammenzubekommen. Wir konnten nämlich eine ganz stattliche essbare Korallen (linkes Bild) finden, weitere 3 Minikorallen nahm ich ebenfalls mit, und zwei Minibovisten (die insgesamt aber einen Zentimeter größer waren als die Baby-Minibovisten die auch diesen Hexenring besiedelten). Aus ästhetischen Gründen und weil ich aus irgendeinem nicht belegbaren Grund glaube, dass sie selten sind, hüpfte mein Herz auch ein bisschen höher, als ich am selben Standort wie jedes Jahr wieder Erdsterne (Bild rechts) entdeckte. Leider werden die von den Fachleuten wieder als ungenießbar eingeordnet. Die essbare Koralle ist übrigens bestenfalls ein Schmuckpilz in der Pilzpfanne aufgrund ihrer kräftigen orangen Farbe, die auch bei Hitze gut erhalten bleibt. Bis auf die leicht knorpelige aber doch angenehme Konsistenz hat sie aber keinen wirklichen Eigengeschmack. Zumindest habe ich, mit meinem leicht angeschlagenen Geruchsinn kein besonderes Aroma erschmecken können..
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Auf dem Weg raus aus dem Wald und in den nächsten (der nun wirklich komplett kahl war was Pilze angeht) trafen wir dann auch noch auf einen ansässigen Biobauern, der gerade ein paar Fichten aus seinem Wald geschnitten hatte. Unglücklicherweise haben Borkenkäfer in seinem Waldstück Einzug gehalten. Netterweise zeigte er uns wie und wo der Baum befallen war und pulte einen der kleinen Parasiten aus der Rinde hinaus. Zuerst stellte er sich tot aber mit dem ersten Sonnenstrahl der in traf flog er davon, bis zu 300 Meter weit. Pro Jahr bringen diese Schädlinge 20 neue Generationen hervor und mindestens 8 davon hatten den Baum vor uns schon rundum durchlöchert. Leider bohrt er nur knapp unter die Rinde und bleibt dann in der saftführenden Schicht des Stammes anstatt sich netterweise irgendwo tiefer in die toten Teile des Baumstamms zu fressen. Solange der Befall nicht zu stark wird, kann eine befallene Fichte sich noch gut mit erhöhter Harzproduktion wehren. Ab einem gewissen Punkt trägt dieser allerdings nurnoch stärker zur langsamen Austrocknung des Nadelbaums bei.

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durchlöcherte Borke
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So siehts unten drunter aus

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Soooo klein und so eine große Wirkung

Das einzige was der Mensch tun kann, um die Fichte zu schützen ist, dass er befallene Fichten rechtzeitig aus dem Wald schneidet. Die berüchtigen Hormonfallen dienen nur als Indikator für den Waldbauern, ob er einen Befall hat und es wäre unverantwortlich und kostspielig, befallene Waldstücke aus der Luft mit Gift zu besprühen. Es bleibt also abzuwarten, wer diesen Kampf am Ende gewinnt. Die pieksige, harzige Fichte oder der kleine vermehrungsfreudige Borkenkäfer…

Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl 

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