Exkursion nach Kroatien Teil 4

Tag 3: Das Aquarium
An diesem Tag standen wir sehr früh auf, denn es stand auf dem Plan, früh morgens zu Pula in See zu stechen. Erstaunlich pünktlich kamen wir trotz Frühstück, Abspülen, Mittagessen vorbereiten und Sachen packen am Aquarium Fort Verudella an und marschierten mit mehr Sack und Pack als nötig über diverse Hotelanlagen hinunter zum Hafen. An der Anlegestelle wurden wir von einem Aquariumsbiologen mit Iron Maiden-Tshirt begrüßt und alsbald der Anker gelichtet. Das Forschungsteam ums Aquarium legt alle paar Tage Bodennetze aus um zum einen zu kontrollieren, was im Hafenbecken und rundherum so kreucht und fleucht. Zum anderen finanziert sich das Unternehmen zum Teil aus Grüppchen wie uns, die sich im Aquarium einen Laborraum reservieren. Damit wir und die in ihrem Labor dann auch was zu erforschen haben, müssen ebenfalls Proben aus dem Meer entnommen werden.
An der Stelle angekommen wo unser Netz lag, stiegen einige von uns ins Wasser um zu Schnorcheln (ich leider nicht, denn ich hatte nicht so weit gedacht, mir vorher einen Bikini anzuziehen und es war mir doch etwas unangenehm, dies auf dem Boot nachzuholen). Die Temperaturen waren allem Anschein nach nicht allzu angenehm, so dass nach relativ kurzer Zeit nur noch unsere harten Männer im Wasser waren. Während das Netz nach und nach hochgeholt, der Fang möglichst vorsichtig aus den Maschen befreit und in einem Frischwasserbottich zwischengelagert wurde, brachte v.a. Tobi immer mal wieder zusätzlich Viehzeug vom Schnorcheln mit.
Tag 3
In diesem Bild habe ich ein paar schöne Funde zusammengefasst. Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich bei Bild 1 um einen Drachenkopf, wahrscheinlich Scorpaena maderensis. Bild 2 zeigt einen Eisseestern, Marthasterias glacialis, ein gefürchteter Zuchtmuschelschädling. Auf Bild 3 sieht man eine mittelgroße Maja, also eine Seespinne. Ob es ein Jungtier der großen Art sqinado oder ein erwachsenes Tier der kleineren Art crispata war, weiß ich nicht mehr. Die 4 schließlich zeigt noch die Trugkoralle Myriapora truncata, eine Moostierchenkolonie (Bryozoa), die von der Form her aber eben an Korallen erinnert, die aber wiederum zu den Nesseltieren (Cnidaria) gehören und auch entfernter mit uns verwandt sind. Dass es sich bei diesem Gebilde nicht um echte Korallen handeln kann, hat man schon recht früh daran erkannt, dass es sich ganz anders verhält, wenn man es trocknet. Trocknet man eine echte Koralle, bleibt nach einiger Zeit ein sauberes Kalkskelett übrig. Die Trugkoralle allerdings fängt an zu verwesen, was ihr u.a. auch den Namen “Stinkkoralle” eingebracht hat.
PlanktonnetzSchließlich war das ganze Netz eingebracht und als nächstes sollte noch eine Planktonprobe genommen werden. Bevor es aber weitergehen konnte, mussten unsere tapferen Schwimmer wieder an Deck kommen. In einem Fall gestaltete sich das aber etwas schwierig, denn eine kleine, tückische Meeresströmung hatte gerade denjenigen recht weit von uns weg getragen, der ohne Flossen losgezogen war. Etwas verspätet und relativ entkräftet schaffte er es aber schließlich auch wieder auf das Boot. Nun konnte das Planktonnetz (links im Bild) ausgebracht werden. Dazu wurde es einige Minuten hinter dem fahrenden Boot hergeschleppt. Der “Fang” landete in unserem 5-Liter-Wasserkanister, aus dem wir normalerweise Aqua sin gas schlürften. Nach einer weiteren Schleiffahrt schipperten wir zurück an den Hafen und begaben uns, allerdings nur mit dem Plankton hinauf zum Aquarium.
Nach, teilweise während, einem mobilen Mittagessen auf einer Parkbank machten wir uns daran, unsere Ausrüstung, im Wesentlichen Bücher, Binokulare und Mikroskope, in das Labor im 1. Stock der Festung zu schaffen. Ich zog leider den Schwarzen Peter und erwischte statt einem Bino, wie alle anderen, ein Mikroskop. Da dieses etwas älteren Datums war, kam ich anfangs auch nicht wirklich damit zurecht und erst recht konnte ich damit unseren Arbeitsauftrag, die Funde durch Mundpipettieren in Tröpfchen zu sortieren, nicht erfüllen. Aber Tobi, der sich wegen seiner Bachelorarbeit mit diesem Modell schon besser auskannte, half mir schließlich ein bisschen weiter und so konnte ich endlich wenigstens mein eigenes Ding machen: Mikroskop-Photographie.
Schon auf Helgoland hatte ich dafür ein gewisses Geschick entwickelt, wobei die alte, kleinere Kamera, die ich damals hatte, rein vom Bildausschnitt dafür besser geeignet war. Die ist aber seit sie auf Mallorca in einem Rucksack am Display punktiert und jetzt nur noch als Partygag einsetzbar. Mit der neuen Kamera habe ich nun ziemlich viel schwarzen Rand außen herum, dafür aber viel höher auflösende Bilder.
Tunikatenlarve
Tunikatenlarve
Ich beginne gleich einmal mit dem Highlight unseres Planktonfundus: Eine Tunikatenlarve, zu fränkisch: Mandeltiere. Ich war direkt ganz stolz, dass ich von unserem Exkursionsleiter persönlich darum gebeten wurde, sie photographisch zu dokumentieren. Ein technisches Detail zum oberen Bild: Wegen des kleinen Ausschnitts musste ich drei Einzelbilder der Larve zu einem zusammenfügen. Der Vollständigkeit halber habe ich sie außerdem noch aus dem Mikroskop abgezeichnet und mit etwas Hilfe der anderen außerdem noch beschriftet. Wer meine Sauklaue nicht entziffern kann, von links nach rechts könnt ihr folgendes lesen:
Papillen, Auge, Statolith (für den Gleichgewichtssinn), Chorda (woran der Nicht-ganz-Laie erkennt, dass das Vieh mit uns näher verwandt sein muss).
Wrmchen
Annelid
Hier haben wir einen weiteren, nicht so normalen Fund, ein Tierchen aus dem Stamm der Anneliden, also Ringelwürmer, und insbesondere zu den Polychäten, den Vielborstern. Ob es nun eher zu den Nectochaeta oder den Motatrachophora gehörte konnte ich anhand unseres Schnellbestimmungsschlüssels nicht eindeutig feststellen. Man erkennt sicher, dass auch dieses Bild aus zwei Aufnahmen zusammengesetzt ist. Schließlich gelang mir bei dem hinteren Bild eine viel bessere Auflösung. Die kleinen “Blubberblasen” waren, zumindest solange das Vieh noch am Leben war, übrigens die ganze Zeit in Bewegung. Leider kam ich nicht dazu, mich wie oben näher mit der Anatomie zu befassen und als ich ein Video machen wollte, war es bereits aus mit der Bewegung.
Strahlentierchen
Sonnentierchen
Hier noch eine hübsche Radiolarie, im Besonderen ein Strahlentierchen und außerdem mal wieder eines, über das es auf Wikipedia nichts zu finden gibt.
Chloro1 Cerastium
Hier ein Fall von sich verändernden Klassifizierungen. In unserem Bestimmungsschlüssel gehören die Pyrrhophyceae zu den Phycophyta, die wiederum zu den Blaualgen gehören. Im Internet gehören Pyrrhophyceae aber zu den Dinoflagellaten. Blicke da mal jemand durch.

Hier habt ihr noch eine weitere Auswahl meiner Funde, in diesem Fotoalbum habe ich Crustaceen-Larven zusammengefasst. Wirklich sicher bestimmt habe ich sie aber nicht, irgendwie war es mir einfach zu heiß um mich mit der blauen Bibel auseinanderzusetzen.
Zwischendurch sahen wir uns natürlich auch das Aquarium an, das übrigens nicht nur aus Glasscheiben bestand sondern teilweise auch aus offenen Becken. So gab es z.B. ein Streichelbecken direkt am Eingang, das sich aber offensichtlich viel zu sehr an die Umgebungstemperatur anpasste, denn die meisten Bewohner sahen nicht mehr wirklich vital aus.
Außerdem gab es im Erdgeschoss ein großes, Schiffförmiges Becken mit Seespinnen und Hummern. Wir schockten das ein oder andere Mal Passanten, als besonders unser Arthropodenexperte, der hier auch seinen Krebstiervortrag halten sollte, einfach in das Becken griff und die nicht gerade kleinen Tierchen z.B. zur Geschlechtsbestimmung herausholte. Wir fanden dabei heraus, dass es in dem Becken wirklich alles andere als friedlich zuging. Kaum jemand hatte noch seine ursprüngliche Zahl an Beinen oder Scheren, ein Hummer hatte z.B. eine Schere überhaupt nicht mehr und bei der anderen war ihm nur die Oberschere erhalten geblieben. Das machte Ihn zu einem recht ungefährlichen Anschauungsmaterial.
Ach Gottchen, dieser Blog wieder langsam zu ausgelassen, deswegen gibts noch ein Abschiedsbild und den nächsten Blog dann morgen Smiley
Schamkrabbe
Zum Teil vor diesem Teil Zwinkerndes Smiley
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