Exkursion nach Kroatien Teil 6

Nachtrag zu Tag 4: Morgens am Fischmarkt

Ganz vergessen vor lauter Film-mit-Musik-Zusammenschneiderei habe ich den Umstand, dass wir den Morgen im Fischmarkt von Pula verbrachten. Zuletzt war ich glaube ich mit 5 Jahren auf einem richtigen Fischmarkt gewesen, allerdings in Spanien, Andalusien. Daher hatte ich schon fast vergessen wie unglaublich übel Fisch riechen kann. Die Entdeckungslust, besonders die nach der Wiederentdeckung unserer Exkursionsleiter, trieb uns aber dazu, mutig den ganzen Raum zu durchsuchen. Interessant war der von der einen Ecke zur anderen kontinuierliche Preissturz der frischen Tintenfische aber auch, dass in einer der Ecken ein älterer Herr saß, der sich ein Zubrot damit verdiente, dass er Fische ausweidete. Ähnlich wie zuhause sieht es in Kroatien mit der Rente nämlich auch nicht allzu rosig aus und so gehört diese Tätigkeit, zusammen mit dem ebenfalls bei uns verbreiteten Pfandflaschensammeln, zu den am häufigsten genutzten Geldquellen für nicht mehr berufstätige Menschen. Eine weitere kulturelle Auffälligkeit war, dass in Kroatien oder zumindest in Pula offensichtlich nicht die Zeitung die beliebteste Stelle ist, um Todesanzeigen aufzugeben sondern viel eher die Eingangstore zum Fischmarkt. Muss am Geruch liegen.
Fischmarkt
Und, bevor es weitergeht mit Tag 5: Tag 4 war es in Pula so heiß,dass das Aquarium ernsthafte Probleme hatte, die Wassertemperaturen auf einem für die Fische erträglichen Maß zu halten. So wurden wir leider Zeuge davon, wie, ich glaube es war ein Riesenzackebarsch den Zustand des aktiven Schwimmens für immer hinter sich ließ. Andere Aquarien wurden gerade noch rechtzeitig auf provisorische Weise mit Kühlakkus vor Überhitzung bewahrt.
Weniger von diesen Problemen mit der Wasserklimaanlage beeindruckt waren hingegen die zwei Schwalbengeschwister, deren Nest an der Decke am Eingang befestigt war. Diese zwei munteren Gesellen, die die Besucher wirklich aufmerksam beobachteten – das stellte ich fest, als ich einmal mit meinem Strohhut wedelte und sie den Bewegungen des Hutes sehr gründlich folgten – hatten viel mehr ein Problem mit ihrer Mutter. Diese hatte nämlich abends beschlossen, dass die zwei faulen Gören mal flügge werden sollten und so setzte sie sich mit einem fetten Happen im Maul gerade weit genug von den beiden weg, dass sie aus dem Nest steigen mussten, um etwas zu bekommen.
Schwalben
Die überlegten sich das wohl durchaus gründlich… aber am Ende siegte die Faulheit. Oder die Angst vorm Absturz. Ob sie wohl mittlerweile schon einmal erfolgreich durch die Luft gesegelt sind?
Tag 5: Schwerer Seegang
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Nachts bekamen wir Besuch von diesem hübschen Fräulein, da wir aber wussten, dass wieder ein harter Tag bevorstand, mussten wir sie nach einigen hundert Fotos abweisen.
Nach dem Frühstück wurde wieder eine den Vortagen ähnliche Ausrüstung gepackt, diesesmal ging es aber nach Rovinj. Dort stand uns eine weitere Bootsausfahrt bevor, deren Fang wir diesesmal komplett für uns behalten dürften. So eine Ausfahrt, wurde uns versichert, bekämen sonst nur die reicheren Urlauber in Istrien. Umso mehr wurden wir dazu angehalten, möglichst pünktlich dort anzukommen, sonst könnte unser Boot schon mit jemand anders losgefahren sein, Zeit ist schließlich Geld. Irgendwie schafften wir es also halbwegs pünktlich an das Hafenbecken von Rovinj, wo einst schon die heilige Euphemia eigenhändig trotz Sarg und eingetretenem Todes von Konstantinopel aus hin geschwommen war. Ob uns dasselbe Schicksal bevorstand, sollte sich noch herausstellen.
Am Parkplatz stellten wir uns in die erstbeste Lücke und machten damit einem älteren Herren das Leben schwer. Statt höflich wieder herauszufahren, um ihm mehr Platz zu machen, beobachteten wir das Schauspiel noch amüsante 5min. Der gute Herr war nämlich gar nicht so recht Herr über sein Fahrzeug, dem ungefähr mindestens noch einmal so viel Platz nach links und rechts zur Verfügung stand, wie das Auto breit war. Seine Frau stieg extra aus, um ihn einzuweisen – ob zum ein- oder ausparken konnten wir lange nicht ausmachen – und schämte sich offensichtlich dafür, dass ihr Mann Frauenklischees erfüllte.
Jedenfalls war trotz alledem unser Boot noch da uns alsbald stachen wir wieder mal auf See. Bis wir an unserem ersten Fanggrund angekommen waren, ging es mir noch ganz gut. Dann fing der Kapitän aber damit an, sein Netz über den Meeresboden schleifen zu lassen und wieder heraufzuholen. Das Ergebnis war eine Schaukelei sondergleichen – die auch nicht gerade ruhige Ausfahrt mit der Uthörn auf Helgoland kam mir aus meinem fernen Gedächtnis nicht halb so schlimm vor. Allen männlichen Teilnehmern sowie der Exkursionsleiterin sah man davon aber garnichts an. Sie stürzten sich auf das Netz sobald es wieder oben war und sortierten alles in die viel zu wenigen mitgebrachten Gefäße, was irgendwie noch nützlich werden könnte. Niemals hätte ich mich dem anschließen können, ohne dem Meer auch wieder etwas zurückgeben zu müssen. Der Umstand, dass sämtliche eingefangenen Seegurken aus Protest ihren Darmtrakt ausgestoßen hatten, hätte dazu auch nur weiter beitragen können.
Fang Nummer 1
Zwanzig Stück unserer gefangenen Seegurken werden die nächsten zwei Semester in der Uni von begeisterten Studenten seziert werden und im Verlaufe des Tages erfuhren wir noch von einem Test, den unser Exkursionsleiter einst an Studenten vorgenommen hatte. Unter einen Fang von echten Seegurken hatte er einige Gewürzgurken gemischt. Angeblich hat niemand den Unterschied bemerkt. Ob das Ergebnis dasselbe gewesen wäre, hätte er Seegurken unter Gewürzgurken gemischt?
Nach einem weiteren Netzauswurf, diesmal über Bryozoengrund und mit entsprechenden Fängen, kehrten wir endlich wieder zum Hafen zurück. Die meeresbiologische Station, in die wir uns diesesmal eingemietet hatten, lag direkt am Hafen und so konnten wir unsere Gefäße innerhalb weniger Minuten in Becken mit Frischseewasserzufuhr zwischenlagern.
Zwischenlagern deswegen, weil sich die Mittagszeit unweigerlich näherte und es beschlossene Sache war, dass Pizza geholt werden sollte.
Rovinj
Dabei an tausend verschiedene Beläge denkend, marschierte fast die gesamte Gruppe also los durch die schöne Altstadt von Rovinj. Spätestens in den 70er Jahren (wie ich auf einem Schild erfuhr) war diese mit spiegelglatten Marmorfliesen gepflastert worden, auf denen es sich ausgezeichnet rutschen lässt. Auf dem Weg genehmigte Tobi sich seiner Natur gemäß eine Kugel Eis (Stracciatella) für sieben, nicht sechs, Kuna. An der Pizzaria selbst war aber erst einmal alles andere als Begeisterung zu spüren, mich eingeschlossen. Es gab nur Magherita, Salami und Schinken-Champignon-Pizza. Nach einiger Überzeugungsarbeit und Umsehen in der Umgebung nahmen wir aber doch drei riesige Pizzen von dort mit. Eine gute Entscheidung, denn sie schmeckten wirklich ausgezeichnet.
Mit dadurch neu gewonnenem Lebensmut machten wir uns also an die Laborarbeit. Tagesaufgabe war die Bestimmung der See-, und Schlangensterne. Ich selber beschäftigte mich wieder hauptsächlich mit der digitalen Dokumentation der dafür geeigneten Funde. Also präsentiere ich euch diese nun, in Form von 2 Videos (in unglaublichem HD):
Ich glaube es war ein kleiner schwarzer Seeigel, den ich da unter dem Bino hatte. Zu Anfang seht Ihr den Mund, anschließend drehe ich ihn auf den Bauch, woraufhin er euch seinen süßen kleinen Anus zuwendet. Na, wer hätte gedacht, dass Seeigelstacheln so munter sind?
Und ein Schlangenstern der Gattung Ophiotrix. Irgendwie bleiben Sterne bei mir immer erstmal auf dem Rücken liegen und mampfen ein bisschen.
Weitere tolle Aufnahmen habe ich in einem Album zusammegefasst:
Weil einer unserer Gefährten heute Geburtstag hatte, fuhren wir etwas früher heim als unsere Exkursionsleiter. Tobi und ich brachen am Campingplatz dann noch einmal zum Felsstrand auf um einmal wenigstens in der Dämmerung zu schnorcheln. Allein schon deswegen, weil es wieder abartig heiß gewesen war, war das ein toller Tauchgang. Besonders toll war dieses Dämmerungstauchen aber auch deswegen, weil jetzt schon viel mehr Fische da waren und zwar meistens in ganzen Schwärmen. Ich glaube ich habe es schon erwähnt, aber erst in der Dämmerung merkt man erst richtig, dass die ganzen Fische eben nicht für den Tag sondern für die Nacht getarnt sind. Einige Arten sieht man in der Dämmerung fast nicht mehr, zumindest, wenn sie sich nicht bewegen.
Als wir vom Strand zurückkamen, waren unsere Exkursionsleiter wieder da und nahmen Tobi gleich wieder mit, duschen kann man ja später. Also beteiligte ich mich an den Geburtstagsfeierlichkeiten, was durch meine schon längere Alkoholabstinenz recht schnell u.a. darin ausartete, dass ich meine außergewöhnlichen Rülpskünste demonstrierte. Der Kater am nächsten Morgen blieb leider nicht aus, weswegen ich meine Alkoholabstinenz wieder aufnahm. Zwinkerndes Smiley
Morgen gehts weiter, bleibt mir gewogen, liebe Leser und scheut euch nicht, diesen Blog mit anderen Menschen zu teilen ^^
Euer Tinschen
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