Exkursion nach Kroatien Teil 7

Tag 6: Labor auffräumen die zweite
Ich hätte keine Pause machen dürfen, mir fehlen langsam immer mehr Fetzen. Aber dank der Bilder kann ich euch doch noch einiges rekonstruieren.
Wir waren an diesem Tag also nochmal in Rovinj in unserem Labor im dortigen Aquarium/Meeresforschungsinstitut. Aufgrund der enormen Hitze und den Ereignissen des Vorabends konnte ich leider nicht allzu viel sinnvolles auf die Reihe bringen.
Immerhin drückte unser Exkursionsleiter mir noch das ein oder andere interessante Exemplar in die Hand bzw. manches nicht nur mir sondern allen zum Ansehen unter seinem Bino. So kam es zu zwei recht beeindruckenden Videos, die ich euch hier einstellen kann:

Hier zum einen ein unbestimmter Polychät, bevor ihr das Video startet, auf dem Startbild seht ihr zum Beispiel direkt einmal seine Tentakelkrone, mit dem er sich sein Futter aus dem Umgebungswasser holt. Ich empfehle euch, das Video in HD zu laden, denn da sieht man mehr Details. Im ersten Teil des Videos sieht man sehr gut die Borsten auf dem „Rücken”, also dem rötlich-orangen Teil seines Körpers, der nicht so offensichtlich in Segmente eingeteilt ist. Im zweiten Teil des Videos habe ich nur den Hinterleib gefilmt. Wahrscheinlich aufgrund von Stress war das Tier nämlich gerade am Ablaichen. Das dem so ist, sah man nicht nur daran, dass das ihn beinhaltende Gefäß mit der Zeit immer mehr weißliche Häufchen beherbergte. Nein, an der Bauchsegmentierung gibt es bei dieser Art transparente Stellen, durch die man den Laich beobachten konnte, wie er durch den Körper gepumpt wird. Ich entschuldige mich übrigens, falls ich hier irgendwas nicht ganz richtiges erzähle, leider bin ich was die Morphologie von Vielborstern angeht noch keine Koryphäe.

Ein weiteres, sehr interessantes Video, diesesmal von einer Moostierchenkolonie. Auf den ersten Blick sieht diese Art nun wirklich nicht aus wie ein Tier. Nicht einmal wie eine Koralle, wie die Trugkoralle, von der ich bereits hier erzählt habe.
Nein, diese Moostierchen – deren Name ich nirgends mehr finde – sehen erstmal aus wie eine büschelige Alge. Erst unter dem Mikroskop offenbart sie sich.
Moostierchen
Wie schon erwähnt, handelt es sich hier um eine Kolonie. Eine Kolonie kann man im Grunde so definieren, dass sich dort viele Lebewesen derselben Art zusammengefunden haben. Allerdings sind nicht alle Mitglieder der Kolonie, obwohl sie dieselbe Genausstattung haben, von derselben Gestalt und Aufgabe. Nein, ähnlich wie wir verschiedene, differenzierte Gewebe haben, gibt es in so einer Moostierchenkolonie verschiedene Sorten von Mitgliedern.
Im Video oben sehen wir hauptsächlich davon sogenannte “Papageienschnäbel”. Während andere vielleicht hauptberuflich das Futter für die Kolonie heranschaffen haben diese die Aufgabe, die Kolonie vor Parasiten zu schützen. Angreifer und Parasiten werden von diesen kleinen zangenartigen Gebilden, die sich im Video so schön bewegen festgehalten. Und, ich weiß es nicht mehr genau, wahrscheinlich dann von den anderen, jeweiligen Spezialisten der Kolonie aufgefressen (keine Garantier auf Richtigkeit dieser Aussage ^^ ich finde es nur nicht mehr in unseren Aufzeichnungen,  bin sehr schlecht im googeln und hab grade auch kein Buch zur Hand wo’s drinstehen könnte).
Wir hatten auch noch einige weitere, interessante Funde, die von Tobi mit der Spiegelreflex in einem kleinen Aquarium mit Sand photographiert wurden.
Einsiedler
Zum Beispiel dieser außergewöhnliche Einsiedlerkrebs, glaube Pagurus prideaux. Für sein erstes Anwesen erwählt er sich noch ganz normal ein Schneckenhaus. Daraufhin aber sorgt er dafür, dass sich darauf eine Mantelaktinie niederlässt. Diese umwächst dann mit der Zeit das Schneckenhaus und löst sie gänzlich auf. Der Krebs kann dabei die ganze Zeit barrierefrei wachsen und muss sein Häuschen Zeit seines Lebens nicht verlassen. Hierbei handelt es sich übrigens anders als bei der Wollkrabbe mit der zurechtgestutzten Seescheide um eine echte Symbiose, da keiner der beiden Protagonisten einen Nachteil aus dieser Verbindung zieht. Der Krebs hat ein wehrhaftes und gut getarntes Häuschen und die Mantelaktinie bekommt dafür häufige Standortwechsel und zusätzlich zu diesem Mehr an Nahrung außerdem noch die Essensreste, die dem Krebs aus dem Maul fallen.

NACHTRAG: Ich wurde von Tobi daran erinnert, dass der Einsiedlerkrebs auf dem Bild nicht dem im Text dazu entspricht. Dieser hier lebt in einem Schwamm. Dass er daher niemals umziehen muss, stimmt weiterhin, allerdings bildet ein Schwamm natürlich keine Tentakeln aus, um Essensreste aufzufangen.
Maia
Dieses Bild zeigt einen weiteren hübschen Fund, eine Babyseespinne. Wie schon anderswo erwähnt eine geschützte Art, die wir leider nicht, tot oder lebendig, nach Deutschland überführen durften.
Außerdem haben wir noch ein paar wunderschöne, knallrote Haarsterne der Art Antedon mediterranea gefangen. Wie der deutsche Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen weiteren verwandten des allseits bekannten Seesterns. Allerdings handelt es sich um einen entfernteren Verwandten aus einem anderen Unterstamm, der auch Seelilien mit einschließt. Dass die Verwandtschaft nicht ganz so eng sein kann, sieht man auch am Aufbau dieses Tieres.
Haarstern
Zum einen, aber das sieht man in diesem Bild nicht, haben Haarsterne eine Art Stiel, mit der sie sich am Substrat festsetzen. Zum anderen, das sieht man schon besser, haben sie auf den ersten Blick schon viel mehr Arme. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn eigentlich haben sie auch nur fünf Arme, aber diese können sich weiter verzweigen.

Gegen Abend fingen wir an, mal wieder unsere Zelte in diesem Labor abzubrechen und damit hatten wir auch alle unsere Laboraufenthalte dieser Exkusion hinter uns. Erstaunlich pünktlich, bis auf die 5min Abschlussvortrag unseres Exkursionsleiters, die den Putzfrauen sauer aufstießen, verließen wir das Labor und fuhren nach hause.

Ich habe gerade den Geistesblitz, dass es dieser Tag war, an dem ich tatsächlich die Spaghetti gekocht habe, damit wären wir jetzt wieder up to date. Den Abend verbrachten wir damit, die ersten Vorträge zu halten. Tobi hielt denselben wie bei seinem letzten Trip nach Kroatien über Ozeanographie und ich hielt den meinigen über Insekten als Krankheitsüberträger, speziell in Istrien (wer sich dafür interessiert, extra für dich habe ich die Powerpoint hochgeladen). Da wir aufgrund leichter Verspätung zweier unserer Gruppenmitglieder recht verspätet anfingen, blieb es für diesen Tag bei diesen beiden.
Das wars mal wieder, drei oder vier Teile folgen noch. Als nächstes gibts vielleicht noch eine kleine Zusammenfassung des diesjährigen Fantasy-Filmfests in Nürnberg. Außerdem mache ich vielleicht hier demnächst mal wieder Mikroquiz. Für weitere Anregungen und sonstige Kritik bin ich immer offen, einfach hier oder auf Facebook kommentieren Smiley
Euer Tinschen
Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie Biologie

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