Exkursion nach Kroatien Teil 8

Tag 7: Waldbrand
Die doch recht stickigen Labortage waren leider/zum Glück vorbei, jetzt ging es wieder zurück in die Natur. Wir machten uns auf dem Weg zum berühmt berüchtigten “Dinostrand” am Palud, was so viel wie “Sumpf” bedeutet. Der Weg dorthin führt übrigens an einem Kalksteinbruch vorbei. Dies hat zur Folge, dass besonders in so trockenen Zeiten wie diesen alle Pflanzen in der Nähe komplett mit Kalkstaub bedeckt sind, was dem ganzen doch einen winterlichen Touch verleiht.
Natura histrica Parkbank
Am Parkplatz der Natura histrica erklärte unser Exkursionsleiter die Besonderheiten dieses Gebietes. Früher war der Palud, also der Sumpf, ein reiner Süßwassersumpf. Aufgrund dessen fanden Malaria-Erreger-tragende Stechmücken dort beste Voraussetzungen vor, um sich zu vermehren und dementsprechend grassierte die Krankheit in dieser Gegend. Als die Österreicher zwischendurch dieses Gebiet besaßen, schufen sie damit Abhilfe, indem sie einen Kanal vom Meer bis zum Kern des Sumpfes aushoben. Besonders im Winter tritt dadurch Salzwasser in den Sumpf ein und so entstand letztendlich ein ganz spezieller Lebensraum für ganz spezielle Spezialisten. So bilden sich z.B. am Grund des Brackwassers u.a. giftige Schwefelgase.
Am Meerende des Kanals liegt der oben erwähnte Dinostrand. Wie kommt er zu diesem Namen? Nun, wenn Ebbe ist und man am richtigen Bootsring im Fels runter zum Wasser steigt, sieht man auf einer Felsplatte ganz verdächtige Löcher im Boden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man schließlich ein rundes Hauptloch und an einer Seite 5 recht spitze Zehen und diese Fußspuren ziehen sich so über den Boden, wie man sich das bei einem wahrscheinlich vierbeinigen Dinosaurier so vorstellt. Am Fersenende der Spuren sieht man außerdem auch eine Art Wulst, ganz wie man es kennt, wenn man über schlammigen Boden geht. Das Gefühl, an einer Stelle zu stehen, an der vor über 65 Millionen Jahren mal so ein riesen Vieh entlanggelaufen ist, hat schon etwas magisches. Und ich beschreibe es euch deswegen so genau, weil ich leider keine Kamera dabei hatte, als ich das erste Mal drauf gestoßen bin.
Kferkacke
Als wir schließlich zum Strand loszogen, der fast einen Kilometer vom Parkplatz entfernt war, machten wir noch einmal kurz Halt an einem abgestorbenen Baum. Unser Arthropodenexperte hat glaube ich gerade an der Uni ein Projekt mit Totholz am Laufen und erzählte uns daher ein paar Takte. Am Grund gab es zum Beispiel den Eingang zu einem verlassenen Dachsbau zu sehen – auf dem ersten Blick. Aber auch die Beweise dafür, dass das tote Holz noch durchaus sehr belebt ist. Zahlreiche, meist Käfer- oder madenartige Bewohner hatten dort ihren Dung hinterlassen. Auf dem Bild sieht man die Streu und all die kleinen, schwarzen, etwas walzenförmigen Stückchen sind kleine, süße Käferhäufchen.
Wieder ein gutes Stück weiter erreichten wir die Vogelbeobachtungsstation aus einem Guckhäuschen und einem weiteren Häuschen für die Wildhüter, beide verbunden durch einen Zaun. In diesem und dem Guckhäuschen gibt es kleine Gucklöcher, durch die man einen Blick auf den Sumpfkern hat. Dieser war natürlich aufgrund der monatelangen Dürre recht weit eingeschrumpft. Auch das Schilf um das Wasser herum sah nicht mehr allzu saftig aus.Trotzdem staksten noch einige Silber- und Graureiher sowie einige Stelzenvogelarten darin herum.
Endlich erreichten wir den Dinostrand. Mit dem ganzen Gepäck war das wirklich kein angenehmer Spaziergang gewesen. Dafür war es hier aber, eben wegen dem anstrengendem Weg recht einsam. Die einzigen Leute am Strand waren höchstwahrscheinlich mit Booten hergekommen (und offensichtlich FKK-Anhänger, allerdings die “gschammige” Sorte).
Durch die anstrengende Anreise ziemlich verschwitzt, lag es nahe, so schnell wie möglich ins Wasser zu gehen. Vielleicht weil sich laut Wetterbericht ein Sturm näherte, vielleicht aber auch, weil ich mir für meinen Einstieg gleich die Minibucht am Anfang erwählt hatte, dauerte mein Schwimmerlebnis nicht allzu lange. Irgendwie sah man hier unter Wasser nichts als aufgewirbelten Sand und ausgerissene Algen. Weiter hinten war sogar eine ganze schwimmende Insel aus ausgerissenem Seegras, Pfandflaschen und Papier. Der Wellengang an sich war noch dazu recht rau. Ich brach also ab und legte mich ein wenig in die Sonne.
Als ich wieder trocken war, besah ich mir noch ein wenig die hiesige Strandbotanik, dann begab ich mich wieder zum Rest der Truppe. Tobi hatte einen recht gut bewachsenen, recht großen Stein angeschleppt. Die Bewohner des Steins guckten zwar immer wieder neugierig hervor, alle Versuche aber, sie mit Pinzetten aus ihren Löchern zu ziehen, schlugen fehl. Mit ordentlicher Entdeckerlust beschlossen wir, das der Stein zerschlagen werden müsse. Wir platzierten den Stein also auf einem größeren Felsblock und schlugen mit einem halbwegs passend gebautem Felsen auf ihn ein. Unsere Bemühungen wurden belohnt: Wir legten den Gang einer Bohrmuschel, auch Seedattel genannt, frei. Diese gehören wie die Steckmuschel und die Seespinne zu den geschützten Arten Istriens und so war es nicht ganz koscher, dass jemand ganz ganz unbekanntes das literarische Gerücht überprüfen wollte, dass Seedatteln nussig schmecken. Wir stellten dabei außerdem fest, warum die Seedattel wohl geschützt ist: Früher wurden, um an sie zu gelangen, ganze Küstenabschnitte voll Steinen kleingehauen. Wäre dies nie gestoppt worden, wäre Kroatien recht bald auch reines Sandstrandareal geworden.
Ein weiterer toller Fund in unserem Stein war ein Pistolenkrebspärchen. Wer jemals schon am Felsstrand mal einen unerklärlichen Knall aus den Felsritzen gehört hat, dieses Tierchen wird der Auslöser gewesen sein.
So langsam wurden die ersten von uns, einige angehend krebsrot, hungrig und müde und machten sich auf zu den Autos. Wir, der Rest, wollten kurz später nachkommen und dann nach einem Mittagessen war eigentlich geplant, wieder zurückzukehren und eine Lebensraumkartierung durchzuführen. Kurz nachdem die anderen aufgebrochen waren, bat sich uns aber dieses Bild:
Waldbrand
Die Rauchsäule, die erst recht klein anfing verbreiterte sich innerhalb weniger Minuten und stieg immer weiter zum Himmel auf. Zuerst bestaunten wir das ganze nur interessiert. Nach einer bestimmten Zeit bemerkte unser Exkursionsleiter allerdings, dass der Rauchsäule von hier aus gesehen recht genau über unserem Campingplatz stehen könnte. Als dann noch nach etwa einer halben Stunde endlich mal ein Löschflugzeug angeflogen kam und sich unter die Rauchwolken eine ordentliche Dampfwolke mischte, packten wir ganz schnell ein und zogen los, zurück zu den Autos. Wenn das Feuer wirklich in der Nähe des Campingplatzes sein sollte, würden wir demnächst evakuiert und würden wir uns dazu verspäten, ginge unsere ganze Ausrüstung flöten.
Bis wir mit dem Auto ungefähr auf halber Strecke zurück waren, war schon der ganze Himmel über uns rauchverhangen. An der Rezeption hörten wir aber nur “kein Grund zur Sorge”, wenn auch keine Angabe, wie weit das Feuer nun wirklich entfernt war. Unsere Exkursionsleiter mussten noch einkaufen gehen für das heutige Abendessen – Hamburger – und fuhren dazu dieses Mal nicht nach Rovinj sondern dem Feuer nach Richtung Pula. Was genau sie sich dort, was das Feuer betrifft, angesehen haben, weiß ich nicht. Aber jedenfalls kamen wir so an die Information, dass das Feuer in etwa zehn Kilometer vom Campingplatz entfernt war.
Bald nach ihrer Rückkehr verspeisten wir die Hamburger, hörten wieder ein paar Vorträge und gingen dann mehr oder weniger geschlossen zu Bett. Gegen 3 Uhr nachts soll es am Campingplatz ziemlich rauchig gerochen haben und hinter dem Hügel rötlich geglüht haben. Ich schlief aber tief und fest im Zelt und bekam davon nichts mit.
Recht wenige Bilder für heute, dafür viel Text. Die nächsten Tage werden wieder etwas bunter, versprochen. Nicht versprechen kann ich, dass es morgen schon weiter geht. Das Fantasy Filmfest hat morgen ein paar mehr Filme zu bieten Zwinkerndes Smiley
Gehabt euch wohl!
Euer Tinschen

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