Ich stand mal wieder im Wald 2

Eigentlich habe ich euch ja versprochen, noch einen letzten Teil Kroatienexkursion zu schreiben. Leider haben wir aber am letzten Tag keine Fotos geschossen und reiner Text ohne Bilder, in dem es dann im Grund nur drum geht, dass wir dieselbe Strecke zurück gefahren sind wie bei Teil 1 hin… muss ja nicht sein. Es ist sowieso nichts wirklich erwähnenswertes passiert.

Nur noch eins der Details, die ich unbedingt noch loswerden wollte:
Es gibt eine lustige Methode um zum einen herauszufinden, welches Geschlecht ein Seeigel hat (ohne ihn aufzuschneiden), und zum anderen um Seeigel zum Eigengebrauch zu züchten(wenn man Glück hat und ein Männchen und ein Weibchen findet). Dazu braucht ihr zuerst einmal am besten gute Handschuhe, am besten etwas härteres Leder. Zur Sicherheit für euch und den Seeigel solltet ihr ihn außerdem noch in ein Taschentuch wickeln. Dann kann es los gehen: Nehmt den Seeigel vorsichtig in die Hand und fangt an, ihn ganz feste zu schütteln. Aus einem bestimmten, nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wohl frei auslegbaren Grund, wird der Seeigel nach einiger Zeit seine Geschlechtszellen abgeben. Wenn es ein Männchen ist, wird das Sperma in Form einer dafür ganz normalen, weißen Flüssigkeit sein. Ist es ein Weibchen, so wird es nach einiger Zeit dagegen kleine, aber gerade sichtbar große, etwas gelbliche Eier abgeben. Wenn ihr beides habt und neue Seesterne züchten wollt, gebt ihr einfach beide Sorten Geschlechtszellen in ein gemeinsames Gefäß mit Meerwasser (Wasser gelegentlich auffrischen) und wartet ab. Wer ein Mikroskop hat, kann sich dann immer mal wieder eine Probe nehmen und gucken, wie weit die kleinen schon sind.
Nun aber zum eigentlichen Thema, das der Titel andeutet.

4 Sekunden unglaubliche Action!

Wie versprochen haben wir uns in dem Wald aufgemacht, um Pilze und auch Schnecken zu suchen. Wir haben zwar die Spiegelreflex vergessen, aber meine kleine Canon Powershot ist ja auch nicht schlecht. In letzter Zeit hatte es hier etwas mehr geregnet und so fanden wir endlich wieder eine schöne Auswahl auch essbarer Pilze. Allerdings gelang uns das fast ausschließlich nur in einem Teil des Waldes, wo länger keine Bäume mehr gefällt worden waren. Hier war der Boden noch intakt, “aufgeräumt” und mit einer wunderschönen, feuchten Mooswiese bewachsen. Märchenhaft geradezu. An den meisten Stellen, wo dagegen mal ein forstwirtschaftliches Gerät drüber gerollt war und den Boden aufgewühlt hat, war dagegen bis auf wenige Ausnahmen tote Hose.
Ziegenlippe - Xerocomus subtumentosus
Einer der Pilze, die ihren Weg in unseren Korb fanden war die Ziegenlippe links im Bild. Den Namen hat sie von dem Umstand, dass die Oberseite ihres Hutes sich bei Trockenheit recht samtig anfühlt – eben so wie eine Ziegenlippe. Weitere gute Bestimmungsmerkmale sind die gelben Röhren und dass diese auf Druck nicht oder wenigstens kaum blau anlaufen, wie das beim Maronenröhrling der Fall wäre. Wie so ziemlich alle Röhrenpilze ist auch die Ziegenlippe essbar. Die einzige Ausnahme in dieser Gruppe bildet der Gallenröhrling. Leider ähnelt er sowohl dem Steinpilz als auch dem Maronenröhrling je nach Ausprägung recht stark. Wenn man Glück hat, erkennt man sehr leicht, dass seine Röhren eher rosa sind und sein Stiel mit einem Netz geschmückt ist. Wie wir am Folgetag leider feststellen mussten, hilft all dieses Wissen manchmal nicht, wenn man nicht auch noch den Geschmackstest gemacht hat. Der Gallenröhrling schmeckt nämlich schon roh sehr bitter. Ich fand einen, der noch sehr jung war, so dass die Merkmale recht schwach ausgeprägt waren und bestimmte ihn leichtfertig ohne Geschmacksprobe als Steinpilz.

Waldmistkäfer taut auf 😉

Insgesamt war unser Pilzergebnis aber wieder relativ ernüchternd. Ein Glück, dass wir nicht reguläre Waldbesucher sind, die damit dann schon fertig sind. Nein, wir waren ja außerdem extra zur Schneckenjagd angereist. Gut, anfangs schien auch das nicht allzu erfolgreich. Der Wald war stellenweise ziemlich trocken.
Insekten wie dem Waldmistkäfer oben im Video machte dies keine allzu großen Probleme, sie trafen wir recht gehäuft an verschiedensten Stellen im Wald. Was denen eher Probleme bereitete, waren wohl die schon recht niedrigen nächtlichen Temperaturen. Wir, recht früh dran für unsere Verhältnisse, mussten ihnen höchstpersönlich mit unserer Körperwärme Starthilfe geben.
Rote Wegschnecke - Arion rufus
Aber mit den ersten Pilzen kamen uns endlich auch Schnecken entgegen, beispielsweise gab es von diesen prächtig orangen roten Wegschnecken wahrlich mehr als Tobi jemals für seine Bachelorarbeit brauchen konnte.

Wir drehten so ziemlich jeden Stein und jedes Stück loses Holz um, wie das ein findiger Biologe auf Tierchensuche zu tun pflegt. Dabei fielen uns auch renntaugliche Regenwürmer wie im Video oben in die Hände sowie so einige Asseln und Tausendfüßler. Aber auch botanisch kann der Wald immer wieder aufs neue überraschen oder zumindest entzücken.
Gefleckte Taubnessel - Lamium maculatum
Zum Beispiel diese hübsche gefleckte Taubnessel, die feuchten, stickstoffreichen Boden anzeigt.
Weimoos - Leucobryum glaucum
Oder dieses sehr dekorative Weißmoos, das man am liebsten mit in seinen Garten nehmen würde.
Alle samstäglichen Pilzfunde wurden abends in ein schmackhaftes Omlett verwandelt.
Am Sonntag machten wir aus der Pilzsuche einen Familienausflug und besuchten zwei andere Wälder in der Nähe. Wie oben erwähnt fand ich dort aber nur den Gallenröhrling und ein paar mickrige Parasole. Mein Vater legte einen recht zerfressenen Butterröhrling mit in den Korb. Kaum genug für eine Person.
Um Tobi dabei zu helfen, neben nun all den Landschnecken auch Süßwasserschnecken einzusammeln, fuhren wir anschließend noch an einen Weiher. Wir umrundeten ihn einmal ganz, fanden aber nirgends eine Stelle wo man gleichzeitig gut rangekommen wäre und trotzdem auch Schnecken gefunden hätte. Auf dem Weg herum fanden wir auch einen Ablasstümpel, wo ich nichtsahnend auf eine kleine Erdkröte trat, die daraufhin ein fauchendes Geräusch abgab. Als ich mit einem schlechten Gewissen ein paar Meter weiter zurück trat, machte ich die nächste Entdeckung: Ein etwa halbes Kilo schwerer Steinpilz! Das Abendessen war gerettet (vorerst).
Fischweiher im Altmhltal
Zurück am Anfang unserer Umrundungsreise beschloss Tobi, dass es ja doch nichts half, legte seine Schuhe und seine Hose ab und stieg in das kalte Weiherwasser. Sein todesmutiger Einsatz – er wurde von aggressiven, zwei Zentimeter großen Fröschen angegriffen – wurde belohnt. Er fand viele Teichschecken in verschiedenen Größen, genau das, was er für seine Arbeit brauchte.
Zuhause angekommen stellten wir die Pilze für später in die Küche, nahmen in Fall von Tobi eine heiße Dusche und ruhten uns von dem doch etwa fünf Stunden schweren Trip aus. Abends, zu einem spontanen Verwandtschaftsbesuch, bereitete dann meine Mutter eine Pilzsuppe zu. Ja, keine Steinpilzsuppe sondern fatalerweise eine Suppe aus allen gefundenen Pilzen, die weder ich noch mein Vater noch einmal durchgeguckt hatten (wir sammeln aber normalerweise auch nie etwas, von dem wir nicht 100% wissen, was es ist).
Das Ergebnis war grauenvoll, niederschmetternd, frustrierend. Der kapitale Steinpilz komplett verdorben vom kleinen, unscheinbaren Gallenröhrling. Das geht einem beim Probieren nicht nur auf die Geschmacksnerven sondern auch nervlich an den Magen.
Aber hey, der tödlich giftige Knollenblätterpilz soll dagegen ausgezeichnet nussig schmecken. Da nimmt man gerne eine ungenießbare, aber dennoch ungiftige Suppe in Kauf! Nicht dass wir jemals einen Knollenblätterpilz einsammeln würden Zwinkerndes Smiley

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