Mein November als FÖJ-ler (Teil 2a: Das zweite Seminar)

Leider kam ich die gesamte Seminarwoche nicht dazu, meine Kamera zu benutzten. Die einzigen paar Photos,die ich gemacht habe, sind auch nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen.
Programmmäßig war dieses Seminar jedenfalls ein Stückchen besser als das erste, wobei mir natürlich da alles in geologisch-biologischer Richtung sehr gut gefallen hatte. Dieses Mal bestimmte folgendes Motto unser Seminar: “Wir wollen’s wissen: Ernährung – Recycling – berufliche Orientierung”
persönliche PyramideZum Thema Ernährung hatte ich im Vorfeld mit Farah einen Programmteil vorbereitet. Wir gingen noch einmal die Ernährungspyramide durch und ließen dabei auch jeden seine ganz persönliche Ernährungspyramide im Bezug auf die letzte Woche ausmalen.
Erwartungsgemäß stimmten die meisten persönlichen Ernährungspyramiden nicht mit der Ernährungswissenschaftlichen Pyramide überein. Besonders die Farbe Grün für Gemüse tauchte bei vielen sehr selten oder gar nicht auf, bei manch einem nahm die Farbe Rot für Fleisch gar mehr als die Hälfte der ganzen Pyramide ein.
Ich und Farah malten leider nicht mit, aber zumindest bei mir hätte sich wohl auch ein “ungesundes Bild” ergeben. Die Woche zuvor hatte ich nämlich hauptsächlich in der Schulkantine Mittag gegessen und die ist, vorsichtig gesagt recht bodenständig. Zusätzlich dazu standen auch Süßigkeiten hoch im Kurs, da in dieser verhexten Woche der runde Tisch im Büro geradezu von mitgebrachtem Süßkram überquoll.
Anschließend zur Ernährungspyramide machte ich noch nach Vorbild des Pilzkurses ein kleines Experiment in Gruppen, wo wir herausfinden wollten, wie viel Obst wirklich in einem kommerziellen Fertigfruchtjoghurt vorhanden sind in Relation zu Zucker und Aromastoffen. Wir hatten einen Erdbeer und einen Himbeerjoghurt, die beide recht geringe Fruchtanteile hatten. Dementsprechend waren diese zwei Joghurts, die wir aus der ermittelten Menge Fruchtanteil und der auf der Packung angegebenen Menge Zucker mischten, kaum voneinander zu unterscheiden. Die dritte Joghurtsorte, Mango-Pfirsich, enthielt aber etwa 30 mal mehr Frucht und war daher nicht nur farblich einfach wiederzuentdeckten. Fazit des Experiments war dann (mehr oder weniger einstimmig): Selbstgemachter Joghurt schmeckt besser.
Abends wurde dann noch der Film “Earthlings” vorgeführt. Wer ihn noch nicht kennt, lasse sich sagen, dass dieser Film nichts für Zartbesaitete ist, auch während unserer Vorführung verließ der ein oder andere beim härtesten Teil, der chinesischen Pelzfarm, das Zimmer.
Den nächsten Tag verbrachten wir für ein paar Stunden in einem Wertstoffhof. Dazu muss ich vorschalten, dass sich unser Seminarhaus in der ich glaube einzigen Landkreis Bayerns befand, der nicht an das Entsorgungsnetzwerk “Gelber Sack” angeschlossen ist. Hier wird alles, was aus Plastik oder Alufolie besteht entweder zuhause oder im Wertstoffhof, wo jeder Bürger selbst hin fahren muss, nach bestimmten Kategorien aufgetrennt. So zum Beispiel in “Plastikhohlraumbehälter” (unsere weißrussischen Mit-FÖJler werden sich gefreut haben), Hartplastik(-behälter), folierte Kartonagen (=>Tetrapack) und Herkömmlicheres wie Papier und Metalldosen. So ungefähr habe ich es zumindest in Erinnerung. 100% darf man sich auf meine Angaben auch nicht verlassen, ich schreibe alles aus dem Gedächtnis auf und das Seminar ist nun auch schon etwas her.
Mit freundlicher Spielplatzanlage
Der Wertstoffhof bestand zum einen Teil aus einer alten, herkömmlichen Mülldeponie aus der Zeit, als man seine Hinterlassenschaften noch einfach nach den Kategorien “Müll oder nicht Müll” auf einen Haufen warf (aus dieser Zeit stammen übrigens auch die “hübschen grünen Hügel” auf der A9 Richtung München, um die Gegend der Allianzarena herum…). Zum Glück wurde damals wohl wenigstens halbwegs darauf geachtet, dass der zu Grunde liegende Boden wenig durchlässig ist, so dass keine Giftstoffe o.ä. ins Grundwasser gelangen. Dennoch bleibt der Müll ja vor allem wegen dem Sickerwasser nicht einfach so wie er ist. Es entstehen unter Luftabschluss allerlei Faulgase, sprich: viel Methan, eines der stärksten Klimagase. Allerdings aber auch ein ergiebiger Energieträger, der hier folgendermaßen ausgenutzt wird:
Der Deponiemüll ist komplett mit einer dicken, dichten Art Gummiplane von der Umgebungsluft abgeriegelt. Nur hier und da schießen kaminartige Gebilde, aus denen Schläuche hinausführen, aus der Gummiplane. All die Gase, die unter der Plane entstehen, werden über die Schläuche in einen Gastank geleitet, der einen Motor antreibt, der den Wertstoffhof (und wohl auch das öffentliche Stromnetz) mit Energie versorgt. Im Vergleich zur recht ähnlichen Biogasanlage, die leider aber oft mit potentiellen bzw. noch essbaren Lebensmitteln befeuert wird, ein etwas ökologischeres Prinzip.
Ein weiterer Bereich des Wertstoffhofes kümmert sich um Bioabfälle wie Küchen-, Rest- und Gartenmüll (z.B. Geäst und abgestorbene Pflanzen. Die Abfälle, die hier landen werden nicht auf die Deponie gefahren (die natürlich noch weiter wächst) sondern in große, luftdichte Gärhallen. Durch jahrelanges Ausprobieren mit verschiedenen Bakterienmischungen, Temperaturen, Dauer etc. wurde hier ähnlich einem fremden, patentiertem Vorbild ein Verfahren geschaffen, aus diesen Bioabfällen einwandfreie Kompost, bzw. Blumenerde zu machen. Wahrscheinlich gehen die entstehenden Gase auch wieder in deren Gasnetz ein.
Das einzige Problem dabei ist, dass vieles, was im Biomüll landet, kaum oder gar nicht vergärt. Viel zu oft landet doch noch Plastikfolie in der Biotonne und die eigentlich extra dafür erfundenen Biomüllsäcke verlassen die Kompostieranlage im Grunde unverändert. Daher muss die Komposterde, bevor sie mit anderen Gartenerde-Bestandteilen vermischt und verkauft wird, noch einmal von solcherlei Rückständen gereinigt werden. Dann kann aber jeder sich dort günstige, gute Gartenerde abholen.
Schließlich kamen wir bei dem Teil des Wertstoffhofes an, den man sich unter dem Namen so vorstellt. In der Plastik-Halle fanden wir ein Eldorado an verschiedenen Möglichkeiten, einen Plastikgegenstand zu kategorisieren. Container extra für Gießkannen, für PVC-Böden, bereits erwähnte Plastikhohlraumbehälter, kurz: Jeder, der in diesem Landkreis wohnt, muss ein unglaubliches Fachwissen zu allen verschiedenen Sorten Plastik besitzen.
Traumhafter Ausblick
In einer weiteren Halle wurden bis in zehn Meter Höhe Europaletten Kartonagen und Papier gelagert. Wir erfuhren, dass diese je nach Marktpreis weiterverkauft oder eben eingelagert werden und nach wie vielen verschiedenen Faserlängen das Papier wiederum eingeteilt wird, bis es zu nichts mehr benutzt werden kann außer vielleicht als Brennstoff. In einer kleinen Nebenanlagen wird auch selbst Papier weiterverarbeitet.
So wie vielleicht auch du, mein geneigter Leser, wo ich bald an die 1000-Wörter-Grenze stoße und einen zweiten Teil dieses Blogeintrags beginnen muss, waren mittlerweile -wenn nicht schon spätestens seit der Kompostierungsanlage -die meisten Zuhörer dieser Führung von der Masse an Information zu Boden gedrückt worden. Nicht zuletzt wegen des feuchtkalten Wetters, eventuell unpassenden Schuhwerks und der angesichts der Informationsmenge schnellen Sprechgeschwindigkeit. Nur wenige, ich gestehe, auch ich, waren noch mit Elan und Interesse dabei.
Der letzte Teil der Führung zeigte uns die Fülle an weiteren Materialien, die wiederverwertet werden können oder müssten. So enthielt eine Grube Fensterrahmen mit und ohne Glasscheiben und Türen. In einer anderen waren hauptsächlich metallene Geländer und Zäune zu sehen. Besonders interessierte mich ein Container mit Computerschrott. Darin befanden sich einige alte Röhrenmonitore, Rechnergehäuse und auch viele CDs. Darunter befanden sich so einige klar erkennbare Exemplare der Kollektion “Computer BILD” und mehrere Musik-CDs, bei denen nachvollziehbar war, dass sie jemand los werden wollte.
Mit 80% kalten Füße und Kohldampf verzog sich die Truppe wieder in die Autos und wir machten uns auf den Weg zurück zum Seminarhaus. Am meisten hat uns dabei beeindruckt, wie viel man aus Müll noch machen kann und außerdem, wie glücklich wir uns schätzen können, an den Gelben Sack angeschlossen zu sein. Zumindest ich gebe mir seither Mühe, Sachen für den gelben Sack vor dem Wegschmeißen etwas sauberer zu machen, denn die Leute, die den gelben Sack dann so sortieren müssen wie hier auf dem Wertstoffhof, müssen eine unglaubliche Geruchsbelastung am Arbeitsplatz haben.
Wegen Überschreitung des für einen Blog angenehmen Wörtervolumens mache ich hier Schluss, gebe einen Blick in die Zukunft, wo noch ein Arbeitsamtveteran, ein Planspiel, die Vergangenheit und eine Erkenntnis über vegetarisches Essen auf dich wartet.
Danke fürs Reinschauen!

Hier geht es weiter!
Letzten Teil verpasst? Hier lang!

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