Mein November als FÖJ-ler (Teil 2b: Das Seminar)

Nach dem Wertstoffhof, von dem Du im letzten Blog gelesen hast, sahen wir uns noch einmal einen Film an, dieses Mal einen Teil der großen Anti-Verschwendungs-Dokumentation “Alles im Eimer”, im Besondern den Teil “Essen im Eimer (Eventuell sahen wir uns den auch erst Mittwoch an, aber ich weiß es nicht mehr genau und es macht keinen Unterschied).
Teile dieser Dokumentation kannte ich glaube ich schon in Ausschnitten aus Galileo. Im Essensteil des Film geht es um Themen wie “Containern”, also bei Nacht und Nebel in Supermarkt-Müllcontainer schlüpfen und mitnehmen, was noch gut ist. Die legale Variante davon ist die “Tafel”, deren Prinzip ebenfalls ausgebreitet wurde, mit dem Wermutstropfen, dass auch bei der Tafel nur Lebensmittel verschenkt werden dürfen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist (egal ob die Lebensmittel tatsächlich noch essbar sind oder nicht). Außerdem wird darauf eingegangen, dass die Verschwendung oft schon auf dem Feld anfängt, wo Feldfrüchte, die nicht der Norm entsprechen, direkt liegen gelassen werden. Diese Norm hat dabei nichts mit der tatsächlichen Qualität der Feldfrucht zu tun sondern viel mehr mit angeblich repräsentativen Verbraucherstudien von EU und Konzernen; Stichwort: Güteklasse A – Jeder kennt ja die Verhaltensweise, dass man sich im Supermarkt immer die schönsten Stücke Obst oder Gemüse auswählt.
Außerdem ging der Film noch auf die Verschwendung in den Supermärkten und Bäckereinen etc. ein. Denn natürlich lebt ein Supermarkt weniger davon, was vom Einkaufszettel eingekauft wird, sondern viel mehr davon, den Kunden dazu zu verführen, über den Einkaufszettel hinaus einzukaufen. So liegen im Obst&Gemüse-Regal oder in der Metzgerei immer viel mehr Erzeugnisse aus, als tatsächlich verkauft werden – die Wegwerfware ist immer einkalkuliert. Bäckereien erhalten sogar Beschwerden von Kunden, die kurz vor Ladenschluss kommen und keine volle Auslage mehr vorfinden.
Der Film rechnet vor, dass in Deutschland aus diesem Grund jedes Jahr Mengen an Brot wegwirft, die ganz Afrika ernähren könnten (oder so, schau den Film unbedingt auch mal selbst an) und zeigt schließlich noch ein Beispiel einer Bäckerei, die ihre Backofen mit den Brötchen vom Vortag beheizt. Natürlich ein innovatives, ressourcenschonendes Verfahren, aber irgendwo auch wieder traurig.
Meine Schlafstätte
Wir überlegten uns schließlich noch ein paar Lösungsansätze und kamen dabei z.B. zu dem Schluss, dass man, wenn man eine Kühltruhe hat, fast alles einfrieren kann und soll, was übrig bleibt. Auch Abokisten von Bauern aus der Region kamen als Idee gut an (ich bin grad auch am Überlegen). Die restlichen Lösungsansätze gingen fast alle in Richtung “Die Industrie soll doch…” aber bis wir selber mal vielleicht am lagen Hebel sitzen, sind das wohl Luftschlösser.
Mittwoch besuchte uns ein Veteran vom Arbeitsamt und erzählte uns zwei Stunden wie man den richtigen Beruf für sich findet und welche Berufe es in der Sparte Umwelt gibt.
Den Einstieg machte er mit den Hauptfehlern der Berufswahl:
Zum einen dem Hoffen auf Experten und Prognosen ala “Deutschland braucht mehr xxx”. Solchen Voraussagungen folgen immer ein vielfaches an Leuten mehr wie tatsächlich am Ende der Ausbildung noch gebraucht werden. Von so einer Prognose habe auch ich mich bei meiner Studienfachwahl zum Teil leiten lassen. Da hieß es bis 2008 noch, der Bio- und Gentechnikzweig sei in Deutschland total im Kommen. Durch die zahlreichen, oft viel zu uninformierten Grundsatzgegner der Gentechnik flohen nämlich mittlerweile die größten Arbeitgeber (z.B. Bayer, Stichwort: Amflora) in diesem Berufszweig aus Deutschland.
Statt also sich von Prognosen leiten zu lassen, sollte man einfach nur “sein Ding finden” und dann stetig “sein Ding durchziehen”, das brächte am Ende meist mehr Erfolg.
Zum anderen soll man bei der Berufswahl immer nur auf sein eigenes Herz hören. Verwandte und Bekannte können einem gerne eine Einschätzung geben, was sie meinen, was am besten zu einem passen würde und welche Qualitäten man hat.
Alles andere in Richtung “Du studierst jetzt Medizin, weil dein Vater und dein Großvater schon Ärzte waren” geht, geht viel zu oft nicht gut. Er verglich dabei gerne den Beruf mit einer Ehe: Wer von seinen Eltern die Braut/den Bräutigam vorgesetzt bekommt statt sich selbst entscheiden zu dürfen, führt selten hinterher ein glückliches Leben.
Auch verglich er Arbeit und soziale Beziehungen noch einmal zeitlich miteinander, um zu verdeutlichen, wie wichtig die Wahl des richtigen Berufs für ein glückliches Leben ist. Denn im Normalfall verbringt man dreimal so viel Zeit mit seinem Beruf als mit seiner Familie.
Am Ende bot er noch an, uns je nach Nachfrage persönlich zu beraten. Leider gingen nur ich und Farah darauf ein, wobei das gute daran war, dass er so mehr Zeit für uns hatte.
In einer abendlichen Diskussionsrunde in kleinen Gruppen sollten wir dann noch herausfinden, wie der Vortrag so bei uns angekommen war, und was die einzelnen von uns sich eigentlich für ihre Zukunft so vorstellen. Viele hatten immer noch keinen blassen Schimmer, wo es hingehen soll, manche wussten jetzt nur: “Nichts was so ist, wie mein FÖJ!”, manche hatten eventuell so eine Vorstellung und nur wenige wussten wirklich schon wo es lang gehen soll. Die wenigsten fanden die Aufstellung der Umweltberufe hilfreich. Ob diese Unentschlossenheit etwas damit zu tun hat, dass G-8-Schüler sich in der Oberstufe nicht mehr wirklich auf ihre Lieblingsfächer spezialisieren dürfen?
Abends machten wir noch ein Planspiel, in dem es darum ging, dass eine Schule einen neuen Caterer für das Mittagessen finden will. Ich denke es hat allen viel Spaß gemacht, nicht zuletzt aufgrund der humorvollen Informationskärtchen zu den verschiedenen Standpunkten der Parteien.
Dinge, die man über sein Bett nicht wissen will
Eine weitere Exkursion unternahmen wir dann Donnerstags. Viele von uns, gebürtige Franken, kannten es schon gut bis in und auswendig, für mich war es das erste Mal: Freilandmuseum Bad Windsheim. Ich fand es so toll und auch so kurz, dass ich im Sommer auf jeden Fall noch mindestens zwei Mal dort hin fahren werde. Nach einer Führung durch teilweise auch unserer BFDler, die dort eingesetzt sind, teilten wir uns noch in zwei Gruppen ein, die eine machte selbst Wolle, meine Gruppe machte selbst Leinstoff. Der Flachs dafür war im Herbst von den BFDlern geerntet, gebunden und gebrannt worden. Gelagert wurde der Flachs dann, auch in der guten alten Zeit, in einem abseits des Dorfes gebauten Häuschen. Denn der Flachs mit seinen (Lein-)samen hat einen hohen Ölanteil und fängt dementsprechend leicht Feuer. In diesem Häuschen erfuhren wir, dass jeder Flachshalm nur einen für das Leinen verwendbare Faser enthält und bewiesen praktisch, dass es eine mords Arbeit ist, diesen einen Faden rückstandslos herauszudestillieren. Die Werkzeuge dazu sahen auf dem ersten Blick aus wie Folterinstrumente, darunter Pranger und Bürsten, die eine eiserne Jungfrau hätte auskleiden können.
Zum Abschluss besuchten wir noch die Museumswirtschaft, wo sich der überwiegende Teil aus mir unerfindlichen Gründen Sauerbraten bestellte. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, dass Sauerbraten eine Beleidigung für jedes Rind ist, dass sein Leben für eine Weiterexistenz als Nahrungsmittel geben muss. Wie ich nicht anders erwartete, schmeckte der Sauerbraten, den angeblich die Bedienung und nicht der Koch zubereitet hatte, niemandem. Ich hatte dagegen einen fränkischen Gewürzspieß, die Beilage bestand aus mit Mandeln garnierten Kartoffelnudeln (wie der fränkische Fachbegriff war, hab ich wieder vergessen ^^) und war begeistert.
Zu Abend wurde das Abschlussfestessen bereitet, und zwar durch und durch vegetarisch. Als Vorspeise gab es Gemüsesuppe und Salat, als Hauptspeise Gemüselasagne und als Nachspeise gab es Kaiserschmarrn mit Apfelmus und aus übrigen gefrorenen Himbeeren&Erdbeeren improvisierte rote Grütze (meine Idee juhu Zwinkerndes Smiley ). Alle unsere überzeugten Fleischesser hatten zu Mittag den Sauerbraten gehabt und daher beschwerten sie sich plötzlich nicht mehr wie sonst in der bisherigen Seminarzeit über Fleischmangel. Nein, an diesem Abend wurde die vegetarische Küche vergleichsweise in den Himmel gelobt!
Freitag war wieder Abreisetag. Bevor es zurück zum wieder total überfüllten Zug ging, hamsterte ich noch, vom Geiste von “Alles im Eimer” beflügelt, alle Käsereste des Seminars. Zuhause zerschippelte ich ihn dann und fror ihn ein Zwinkerndes Smiley.
Du hast es geschafft! Nimm dich in Acht vor dem Ausmaß des Blogs über das dritte Seminar im Februar in Lauenstein, wo wir hoffentlich auch die dortige “Schokoladenfabrik” besuchen, aus der ich zu Weihnachten eine Schachtel Pralinen geschenkt bekommen habe.
– das als Vorgeschmack auf den Dezember!
Bis demnächst!

Letzten Teil verpasst? Hier entlang!

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