Exkursion nach Wilhelmshaven & Helgoland: 6. April

Um Punkt acht Uhr morgens traf man sich zum Frühstück am Speisesaal der Jugendherberge. Ich genehmigte mir zwei Scheiben Vollkornbrot mit Leberwurst und Cervelatwurst und eine Schüssel Joghurt mit Müsli (in dieser Konzentration: 80% zu 20%) sowie das rätselhafte rote Getränk aus dem Automaten.

Tote Mannshand - Tentakel

Danach ging es erst einmal zurück ins Labor, wo ich u.a. die Moostierchenkolonie, die ich euch schon am 5. April-Eintrag gezeigt habe, mit einem guten Bestimmungsbuch durchbestimmte. Bis ich am Ende bei der Art ankam, habe ich etwa eine Stunde dafür gebraucht, zwischen den einzelnen Stationen des englischen Bestimmungsschlüssels die Fachbegriffe zu googeln.

Eine kleine Kostprobe:

Loch (je nach Zweck ein anderes Wort) orifice, aperture, spiramina
Erhebung (in verschiedenen Ausprägungen) umbo, denticle
winzig, gering minute, marginal
verdecken (in ganz schlau) to obscure
herausragen (in ganz schlau) to project

Insgesamt schloss ich auch meine “Forschungsarbeit” an dem Bewuchs auf meiner Muschel (die ich aber nicht mehr gut bestimmen konnte, viel zu fragmentartig erhalten) ab und präsentiere euch nun meinen Hefteintrag:

Hefteintrag Muschelbewuchs

Nachmittags gingen wir dann endlich ins Felswatt. Vor zwei Jahren waren wir kurz nach einer Sturmflut auf die Insel gekommen, so dass der Weg bis zur Langen Anna von bis zu 1m hohen Algenbergen erschwert war. Auf dem Weg gibt es einige Stellen, wo einzelne, bis zu 1m hohe Steine herumliegen und es zwischendurch abwärts, wieder auf Strand-Niveau ging. Damals kam es also öfter vor, dass man keine Ahnung hatte, wohin man gerade seine Fuß setzt und –Schwupps — man stand bis zu den Hüften in gammeligen Algen. Uns ist das zwar zum Glück nicht passiert, aber ich konnte das bei einer uns vorauslaufenden Gruppe einmal beobachten.

Helgoland Nordstrand April 2011

Im Bild oben seht Ihr, wie es am Nordstrand der Hauptinsel vor zwei Jahren aussah. Die Algen lagen wirklich teilweise über einen Meter hoch aufeinander und es stank bestialisch nach Schwefel-Wasserstoff-Gas (Das manche Algen als Fraßschutz anlagern).

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Jahr war der Weg zur Langen Anna ein Spaziergang, erst recht mit hohen Gummistiefeln und einer Wathose. Sicher sorgten die mit Grünalgen überzogenen Steine oder die Blasentang-Rasen immer noch hin und wieder für eine Rutschpartie, aber alles in allem war alles easy.

Das Thema im Felswatt heute sollten eigentlich Algen sein. Denn mit diesen sollten wir wieder Algenherbare herstellen und diese brauchen ein wenig Zeit. Sie müssen nämlich ein wenig anders als Landpflanzen gepresst und getrocknet werden.

Aus dem Plan wurde aber nichts oder nicht viel, denn uns erwartete am Strand eine andere Attraktion:

Drei Tote Seehunde. Ein noch gut erhaltener direkt in den Algen-Gezeitentümpeln, die anderen zwei hatten sich noch den trockenen Hügel zu den Felsklippen hochgeschleppt, bevor sie den Löffel abgaben. Denen hatten die Möwen auch schon recht eindrucksvoll die Augen ausgehackt.

IMG_0748 Seehund Forke klein

Da es illegal ist, sich an toten Seehunden und Kegelrobben zu vergehen, vermaßen wir den gut erhaltenen Seehund nur mithilfe unserer Forke und ließen ihn dann für die Möwen liegen Zwinkerndes Smiley.

Mithilfe von etwas natürlich abbaubaren Carminrot aus echten Läusen machten wir dann noch einige Färbeversuche mit den Gezeitentümpeln, um zu beweisen, dass das Wasser bei Ebbe abfließt.

Sobald die Flut wieder einsetzte, packten wir wieder zusammen, gingen zurück zum Labor und fanden anschließend in der Jugendherberge ausgezeichnete Rouladen vor – ich hätte nicht gedacht, dass die überhaupt irgendjemand mal so hinbekommen kann, dass sie mir schmecken.

Abends gingen wir dann wieder hinauf zum Vogelfelsen und beobachteten neben Basstölpeln, Trottellummen, Dreizehenmöwen und Eissturmvögeln auch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich hinterlasse euch mal ein paar meiner schönsten Aufnahmen von diesem Abend:

Oberland mit Düne

Helgoland abends

Westmole und Leuchtturm

Lange Anna bei Sonnenuntergang

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Labor ging ich total fertig ins Bett.

Es ist der 19. April, meine erste Woche Arbeit nach Helgoland ist rum. Ich habe seit dem letzten Blog Laichschnüre von der Erd- oder Wechselkröte, Wasserfrösche samt Laichballen und Bergmolche gefunden. Zuhause, fern vom Meer gibt es zum Glück doch auch immer wieder etwas zu entdecken.

Euer Tinschen

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