Mahlzeit mit einer Katze

Wir sitzen beide auf dem Bett. In meiner Hand ein Teller. In dem Teller: Absolut nichts was einer Katze schmecken könnte. Nicht einmal der Geruch kann so anziehend sein, dass sie mir so auf die Pelle rückt. Ich lasse es auf einen Versuch ankommen und werfe ihr ein kleines Stück Fleisch, das ich von scharfen Gewürzen vorher freilutsche, herunter. Sie springt hinterher. Schnuppert. Dreht sich ohne weitere Probierversuche um, springt wieder zu mir aufs Bett und platziert sich neben dem Teller. Das Gemüse und den Reis kann sie auch nicht allzu attraktiv finden. Wer weiß, sie ist alt, vielleicht will sie ja milden Reis. Ihr werfe ein bisschen von dem reinen Reis wieder herunter. Sie schaut nur hinterher, bleibt aber ansonsten bewegungslos sitzen und guckt sofort wieder mich an. Nun gut. Ich esse weiter. Sie springt auf den Boden und probiert es doch nochmal. Schnuppern. Tatsächlich kurz reinbeißen. Dann lässt sie es doch wieder liegen, springt zu mir herauf und wird wieder aufdringlich. Was soll’s. Sie wird sowieso nichts anrühren, ich lasse den Teller herunter, so dass sie hineinsehen kann. Sie tut es, schnuppert, zieht dann desinteressiert die Schnauze wieder aus dem Teller, ohne probiert zu haben. Jetzt sollte Ruhe sein im Karton.
Weit gefehlt. Ein, zwei Bissen später fängt es erneut an. Die Katze muss wohl denken, ich hätte ihr beim letzten Mal die guten Stücke vorenthalten und äße nun außerhalb ihres Blickfelds wieder das gute Zeug. Ich halte ihr das Essen erneut unter die Nase. Missbilligung. Ein, zwei Bissen später erneute Aufdringlichkeiten. Katze! Denkst du, ich kann zaubern und machen bei jedem Bissen etwas neues in den Teller? Ich esse jetzt nur noch von so weit unten, dass sie mitverfolgen kann, dass das Essen sich nicht verändert, während ich es verspeise. Das hilft ein wenig. Ich bin fertig. Ich stelle den Teller erst einmal neben mich auf den Boden und lege das Stück Fleisch und das Stück Fleisch wieder hinein. Die Katze hinterher, Schnauze hin, vielleicht leckt sie kurz am Porzellan entlang. Nein, schmeckt immer noch nicht besser. Sie nimmt ihr Schicksal an und beschäftigt sich anderweitig.
Eine Viertelstunde später beschließt sie, dass sie das Zimmer verlassen will, scharrt mit der Pfote an der Tür. Ich springe nicht sofort, also beginnt sie zu randalieren. Sie findet in der Ecke eine alte Geschenktüte vom letzten Weihnachten, schlüpft hinein und kämpft gegen den Tütenboden. Ich stehe endlich auf, gehe zur Tür und mache sie auf. Die Tüte ist interessanter als die Tür, aus der sie eben noch verschwinden wollte. Ich mache mit Klopfen auf mich aufmerksam. Sie kommt aus der Tüte und sieht mich vorwurfsvoll an, weshalb ich so einen Lärm mache. Dann fällt ihr wieder ein, dass sie eben noch raus wollte. Auf dem Weg hinaus, macht sie einen Bogen zum Teller. Vielleicht schmeckt ihr der Inhalt ja jetzt. Nein, immer noch derselbe Fraß.
Und während ich genervt, die Tür aufhaltend, zusehe, dreht sie wieder um, hüpft aufs Bett, mümmelt sich in die Decke und schläft schnurrend ein.

Katze, du Clown!

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