Tinschen in Fronkreisch–Teil 2

Die Innenstadt von Chartres machten wir am 1. September ein wenig unsicherer.Notre dame von Chartres

Da direkt zum Zeitpunkt unserer zugegeben frühen Ankunft noch kein einziger Laden offen hatte, besichtigten wir zuerst einmal die schöne Kathedrale, die wie so viele in Frankreich ihrer gotischen Bauweise gemäß “Notre dame” genannt wird.

Chartres Notre dame Innen ÜbergangDiese hier soll wohl so eine Art Prototyp gewesen sein.
(Ich sitze aber während ich das hier schreibe schon auf Bailleron und habe dort keinen Internetzugang und ausschließlich biologische Literatur zur Verfügung). Auf jeden Fall wird die Kathedrale gerade renoviert, wodurch man auch recht eindrucksvoll den Unterschied zwischen alt und neu betrachten konnte.

Gerade heute und circa eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen war eine Messe angesetzt. Fluchtartig verließen wir die heiligen Hallen und machten uns auf die Suche nach nun hoffentlich geöffneten Boulangeries.Die ersten paar direkt vor der Kirche waren offenbar nur auf Touristen ausgelegt und entsprechend teuer, also gingen wir noch ein paar Blöcke weiter, auch die anderen Angebote interessiert betrachtend.

Chartres Puppenladen

Schließlich kam jeder zu seinem Baguette, Quiche, Croissant, Pain du chocolat und vor allem: Kaffee.
Nur ich hielt mich vornehm zurück. Irgendwie konnte ich mir nichts kaufen, zum einen, weil ich mich aufgrund von nervösen Verstotterungen am Vortag nicht traute, noch einmal Französisch zu sprechen. Zum anderen war die Auswahl so groß, dass ich mich einfach nicht für etwas entscheiden konnte. Und davon abgesehen bin ich auch nicht so unbedingt der Typ für süßes Frühstück.

Chartres Marzipanschwein

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter nach Trignac, zu einem weiteren F1. Wir entluden schnell unser gesamtes Gepäck, da wir noch zu einem Zwischenziel fahren wollten und ein bisschen Benzin sparen sollten. Dieses Zwischenziel war das Vogelschutzgebiet im Naturschutzpark Brière. Dabei handelt es sich um eine Art Brackwasser-Sumpf mit recht einzigartiger Flora und Fauna.

Aus irgendeinem Grund hatten wir komplett falsche Koordinaten und fuhren erst einmal, eine ganze Stunde verschwendend, auf die andere Seite des Naturschutzparks, von wo aus man uns dann wieder zurück schickte. Zum eigentlich beabsichtigten Ziel hätten wir um die 15 min gebraucht.

IMG_7686 Brière Entenkolonne

Als wir endlich da waren, hatten wir nur noch etwa eineinhalb Stunde Zeit, um über den Beobachtungspfad zu watscheln. Ich hatte leider weder Teleobjektiv (=>Tobi) noch Fernglas (=> unerreichbar im Transporter – habe ich schon erwähnt, dáss da noch viel mehr unerreichbares drin war und ich daher 5 Tage in den selben peinlich pinken Klamotten wegen, einschließlich Socken, herumlaufen musste? Die hatte ich leider noch an nach einem Girls Fantasy Camp-Konzert am Vortag der Abreise und keiner hatte mir gesagt, das mein Klamottenkoffer nicht mit mir mitreist) und konnte daher von den Vögeln auch keine guten Fotos schießen  – dafür waren sie viel zu weit weg.

Aber über fünf Ecken kann ich euch relativ vollständig berichten, was an diesem Beobachtungsposten zu herumfleucht und kreucht:

Wir sahen neben gewöhnlichen Stockenten und Graugänsen Löffelenten, Seidenreiher, Kiebitze – das sind nur die, die ich gut sehen konnte, dabei auch im Besonderen die Bekassine. Die anderen, die Teleobjektive und Ferngläser nicht in den Tiefen des Transporters begraben hatten, sahen z.B. auch noch ein junges Teichhuhn (welche weiteren Vögel gesichtet wurden  wird in dem Moment, wo ich dies schreibe, noch anhand von Literatur entschieden) sowie den als Ersatz für unseren heimischen Bieber eingeführten Nutria. Von diesem und von Ottern fanden wir auch Spuren in den ausgetrockneten Sumpfbecken.

Brière Spuren Otter

Ich selbst fotographierte dann in meiner Not einfach nur Insekten und ein paar meiner Meinung nach interessierte Pflanzen.

Danach fuhren wir wieder zurück zu unserem neuen F1, von wo aus wir zu Fuß weiter ins Gewerbegebiet aufbrachen um einen Hypermarché – die Franzosen kaufen wohl nicht einfach nur im Super-Markt sondern es muss mindestens ein Hyper-Markt sein – aufzusuchen, in dem noch weitere kleine Restaurants eingebaut waren. Der Hypermarché hatte übrigens in etwa die eineinhalbfache bis doppelte Größe von einem gewöhnlichen Kaufland oder Real zuhause.
Wir hatten schließlich die Auswahl zwischen einem Chinarestaurant, einem “Flanch” im Kantinen-Style und der “Pataterie” – also irgendwas mit Kartoffeln. Da Tobi schon seit Tagen Probleme mit seinem Bauchi hatte, entschieden wir uns für das Gemüse-versprechende Pataterie. Eine gute Wahl!

Brière Biene auf Blutweiderich

Das Essen dort war ziemlich abgefahren, wie schon die Platzkärtchen und Menüs versprachen – alles bunte Collagen aus alten Werbungen und Kochbüchern. Wir endeten dann bei einer Ofenkartoffel mit Ziegenkäse- und Gemüsefüllung und einem Salat mit Speck, Sonnenblumenkernen und oben drauf Toastbrot mit geilem Ziegenkäse (“Chèvre chaud”). Dazu bestellte ich ein Panache, eine Art Radler, und Tobi einen Schwarzen Tee. Der hatte es in sich, er kam mit einer kleinen Camenbert-Box voll Marshmallows und einem dieser Karamellbonbons, die einem die Zähne zukleben. Beides bekam allesamt ich.

Unsere weiteren abendlichen Bemühungen, ein schönes Weinchen oder ähnliches aufzutreiben, blieben erfolglos. In Frankreich kann man tatsächlich an Tankstellen keinen Alkohol mehr kaufen. Also wurden nur noch die heute entstandenen Fotos begutachtet, geduscht und sich schlafen gelegt.

Am Ende dieses Blogeintrages bedanke ich mich bei Katrin und Karina für ihre großzügigen Paypalspenden! Die nächste Ausgabe meiner Frankreichreise folgt in 3 Tagen!

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