Tinschen in Fronkreisch–Teil 4

Am 3. September stiegen wir morgens wieder alle in unsere Autos, um bei einem Bäcker zu frühstücken. Allerdings gab es beim einzigen Bäcker in der Nähe keinen Café und in diesem Teil von Frankreich schien wohl auch keiner Wert auf ein McFrühstück zu legen – kurzum, wir befanden uns in einer Kaffeewüste, dem Albtraum unserer vielen Kaffeesüchtigen. Daher fuhren wir dann auch alle wieder zurück zum Hotel, wo sich die Verdurstenden an viel zu wenig viel zu teurem Automatenkaffee stärkten. Kaffeeverweigerer wie ich hätten also eigentlich noch mindestens eine dreiviertel Stunde länger schlafen können – das wäre meine Art, die Wirkungsweise von Kaffee nachzuahmen.
Asplenium scolopendrium, Hirschzunge (das flächige)
Auf dem Tagesplan steht heute ein Besuch des “Point du Raz”. Dort hatte die Luftwaffe der Nazis damals einen Stützpunkt namens “Station Renntier” aufgebaut. Ob das falsche Doppel-n im Namen Absicht (alte Rechtschreibung?)  war oder die Franzosen sich verschrieben hatten? Jedenfalls war auf dieser “Station Renntier” eine sehr leistungsfähiges Such-Radar namens Freya eingebaut, bestehend aus zwei verschiedenen Radar-Techniken, die verschiedene Wellenbereiche abdeckten. Die Radaranlagen der Alliierten waren dagegen fast blind. Geschützt wurde die Anlage durch mehrere Flugabwehrkanonen (=Flaks, danke Niels *g*). Der Betonschutzbunker, auf oder unter dem die Anlage stand, dient heute nur noch als Aussichtsplattform für Touristen.
Diese betraten wir dann auch und gingen von dort aus weiter zur “Insel der Seelen” (im Bild am Horizont).
Point du Raz Insel der Seelen
Die Franzosen sind der Ansicht, dass diese Insel das tatsächliche Avalon gewesen sein soll… Wer mehr darüber erfahren will, hier habe ich eine ganz schöne Zusammenfassung der Sagen gefunden, die sich um dieses herrliche Stück Land&Meer ranken.
Mit Blick auf diese Insel und die Leuchttürme nahmen wir ein Mittagsmahl zu uns. Danach setzten wir unsere Wanderung fort zur Bucht der Seelen, wo die Seelen der Ertrunkenen einmal im Jahr zum 1. November anlanden sollen.
Auf dem Weg fotographierten wir diverses Grün- und Viechzeug.Kreuzspinne unbestimmt ventral
Die Vegetation war beherrscht von Sträuchern des Stechginsters und Grauer Heide – die wiederum aber hier und da von einer parasitischen Pflanze beherrscht wurden, der Kleeseide. Die hielt man auf den ersten Blick nicht mal für eine Pflanze sondern eher für so etwas wie von Vögeln angeschleppte Fischernetze.
Kleeseide
In einer kleinen Zwischenbuch entdeckten Tobi und Jule tatsächlich ein paar Alpenkrähen. Dass davon hier einige leben sollten, hatten wir schon gerüchteweise von unserer Professorin gehört. Der Schrei der schwarzen, diese Bucht bevölkernden Vögel erinnerte uns an eine gewöhnliche Dohle  – allerdings höher und schriller. Letzte Sicherheit brachte ein Blick durch Fernglas oder Teleobjektiv: Die Vögel waren anders als Dohlen durchgehend schwarz und sie hatten vor allem ganz klar rote, gebogene Schnäbel.
Alpenkrähe
Wir trafen auch einen alten Bekannten aus Kroatien wieder: Den Dornfinger (siehe dieser Blogpost) Damals hatten wir ausschließlich Männchen gefangen, die von “ihrer Alten rausgeschmissen” worden waren. Hier an den Klippen dagegen fanden wir mehrere Weibchen, die sich ihre Behausung aus vertrocknetem Adlerfarnblättern und Spinnenseide zurechtgebogen hatten. Wirklich sehr stabil!
Dornfinger Weibchen mit Eiballen Cheiracanthium punctorium
Irgendwann gelangten wir endlich in die Bucht der Seelen (der hübsche Sandstrand hinten im Bild):Point du Raz Bucht der Seelen
In Klammer besagter Sandstrand wurde von der Truppe ordnungsgemäß genutzt als willkommene Abkühlung. Kleine Monster machten sich einen besonders großen Spaß daraus, die übrigen nasszuspritzen. Meine drei Tage alten pinken Socken* genossen eine UV-Desinfektion. Aber die Hardcorebiologen unter uns widmeten sich natürlich auch den angeschwemmten Algen.
flächige Rotalge unbestimmt
Der diffizile Abstieg hinunter zur Bucht beanspruchte das bereits angeschlagene Knie unseres Professors leider so sehr, dass unser Plan, die Strecke zum Point du Raz zurückzuwandern durch einen neuen ersetzt wurde. Nun gingen nur ein paar liebe Leute den Weg zurück zu unseren Autos um dann alle am Strand abzuholen. An selbigen wartete der Rest auf der Veranda eines hübschen kleinen Hotels mit Bar, die doch recht teure Getränke ausschenkte. Das Wort “Diabolo” auf der Getränkekarte zog mich in seinen Bann und ich bestellte es mit ich glaube Maracujageschmack. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um gekühltes Mineralwasser mit einem Schuss Sirup handelte. Genau das hatte ich jetzt gebraucht!976797_422878171167278_1116045821_o

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* So lief ich zu diesem Zeitpunkt schon seit 5 Tagen herum, da mir niemand gesagt hatte, dass wir bis Bailleron nur mit Handgepäck im Bus reisen würden – weswegen ich in meinem Handgepäck keine Klamotten zugefügt hatte. Aus dem selben Grund hatte ich auch nach einem GFC-Gig am Vortag der Abreise nichts zum Umziehen nach dem Auftritt dabei…

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