Tinschen in Fronkreisch–Teil 5

Heute endlich sollte es so weit sein, wir waren endlich reif für die Insel. Doch noch waren wir noch bei weitem nicht in der Nähe unseres Anlegers. Lieber Leser, vielleicht fragst du dich ja sowieso schon sein geraumer Zeit, wo zur Hölle wir überhaupt waren!

Du sollst nicht weiter im Dunkeln tappen!

Hier unsere gesamte Strecke (zum genauer anschauen einfach anklicken Smiley  – ich hoffe zumindest, dass das funktioniert.. ansonsten müsst ihr euch die Karte leider selber bauen…)

Karte

Zuletzt waren wir von Quimper nach Point du Raz gefahren, von wo aus wir abends wieder ins selbe F1 nach Quimper zurückfuhren. Wenigstens einmal zwei Nächte im selben Hotel zu verbringen war eine Wohltat – einmal nicht peinlichst darauf achten, nicht zu viel auszupacken, was am nächsten Morgen wieder eingepackt werden muss.

Zurück in den Lauf der Geschichte. An diesem Morgen machten wir uns wie gesagt endlich auf nach Bailleron – aber wie immer nicht auf direktem Wege. Zuerst einmal war es wieder unbedingt nötig, dass alle Kaffeezombies versorgt wurden. Da dies am Vortag im Quimper’schen Gewerbegebiet aussichtslos gewesen war und weil einer unserer Mitreisenden für einen Routineeingriff (Fadenziehen) einen Kurztripp ins Krankenhaus machen musste, hielten wir auf dem Weg zu unserem Zwischenziel in der Nähe einer hübschen kleinen Kirche – die zufälligerweise ein offenes Café als Nachbar hatte und von der leider niemand ein Foto gemacht hat. Unser Professor klärte uns über die architektonischen Besonderheiten der Kirche auf, die offenbar direkt über eine alte bretonische Kultstätte gebaut wurde. Den alten Bretonen nämlich waren Quellen heilig und an einer Seite der Kirche war eine Vertiefung eingelassen, von wo aus ein wenig Wasser woanders hin versickerte. Als wir die Kirche rundum beobachteten sprach uns ein Franzose an. Leider konnte keiner sich ihm verständlich machen und so überwand ich auf wundersame Weise meine Sprachblockade und sprach plötzlich beinah fließend französisch. Mit vereinten Kräften erfuhren wir, dass heute eine Hochzeit in der Kirche stattfinden würde und dass die Kirche deswegen wieder so wunderschön aussähe, weil sie vor kurzem renoviert wurde. Das Geld war 50:50 vom Staat und von der Gemeinde gekommen und der Verfall hatte irgendetwas mit durch Flechten verwitterten Stein zu tun.

Carnac Schwalbenschwanz

Als wir endlich wieder alle beisammen waren, ging es endlich weiter ins sagenumwobene Carnac wo das noch sagenhaftere Hinkelsteinlager von Obelix steht – wenn man den Comics glauben schenken mag. So überzeugend wie jede andere Theorie, warum genau an dieser Stelle in dieser Anordnung so viele Menhire stehen, ist die Theorie vom Hinkelsteinlager allemal. Da ich ja mittlerweile durch Zufall schon ein richtige Menhirexperte bin  könnt ihr meiner Einschätzung ruhig Glauben schenken Zwinkerndes Smiley :

Ich habe im Rahmen einer Studienfahrt des Englisch LKs in meiner Schulzeit schon die weltberühmte Stonehenge bei Salisbury und auch die eher unbekannte Avebury Henge besucht, habe den Silbury Hill sowie den White Horse Hill gesehen und da ich jetzt in Halle wohne, konnte ich mich auch eines Besuchs des dortigen Museums für Natur- und Frühgeschichte, wo u.a. die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt ist, nicht erwehren – die Scheibe hat übrigens ungefähr die Größe einer mittelgroßen Pizza. Ich denke, alles war seine Reise wert. Auch wenn man nicht an so spirituelles Energiegedöns glaubt, beim Anblick dieser rätselhaften Bauwerke erfüllt einen ein irres Gefühl von Ehrfurcht.

Carnac Menhire

Nachdem wir alle mal einen Stein angefasst oder umarmt und auch andere komische Vögel gesehen hatte, ging es wieder eine Station weiter – in einen Hypermarché, denn auf unserer kleinen, einsamen Insel gibt es natürlich keinen Supermarkt (und nur von Meersalat, Schnecken und Muscheln kann man sich ja auch nicht ernähren – aber da mag es Ausnahmen geben).

Diesen vorerst letzten Besuch in der modernen Zivilisation genossen wir besonders (den Trend moderner Zivilisation zu Platzmangel erfuhren wir allerdings schon bei der Einfahrt zum Parkhaus. Unsere Fahrer mussten unsere Gefährte mit höchster Präzision irgendwie unter den Höhenbegrenzungsschildern durch bekommen, ohne oben anzuecken…) . In so einem Hypermarché oder Carrefour gibt es eben einfach alles. In diesem fand ich sogar eine Käsetheke mit Käse zum Probieren. Auf einem Tellerchen gab es einen Camenbert mit Orangen-Champagnerkruste (oder so Zwinkerndes Smiley). Es gab auch ein Regionalregal mit angeblich original bretonischen Spezialitäten. Dass das nicht immer so wirklich der Fall war, erfuhren wir erst später. Jeder deckte sich mit ein paar Flaschen Cidre für kalte Abende ein, hauptsächlich aber natürlich auch mit anderen Privatleckereien. In Frankreich kann man sich schließlich allein 80% des Sortiments eines Süßigkeitenregals einpacken, wenn man nach der Maxime geht, dass man nur Sachen mitnimmt, die man noch nicht kennt. Neben derlei Dingen landeten in unserem Privateinkaufswagen auch noch diverse Salamis, Ziegenkäse, Tomaten und frisch gepresster Orangensaft. Nach viel zu kurzer Entscheidungzeit ging es dann weiter.

IMG_6042

Wir parkten schließlich ungefähr bei diesen Koordinaten

+47°35’23.58″,

-2°43’13.32″

(lustig, das mit Google Street View anzugucken), packten unseren Kram aus den Autos und warteten auf unseren “Fährmann” Lionell, dem Hausmeister, Fischer, Forschungsassistent – kurz – Mädchen für alles von Bailleron. Und ein verdammt gut aussehender Franzose – wohl um die 40 – noch dazu ;D

Endlich kam er mit dem Boot an und die erste Fuhre Gepäck und Leute machte sich auf den Weg, ich mit dabei. Wir sollten den schwersten Sachen vom Inselsteg zum Wohnhaus bringen. Ausnahmsweise wurde mir vom Herumschippern mal nicht schlecht – vielleicht weil ich dieses Mal kein schleimiges Getier vom Boden aufsammeln musste.

Ile Tascon

Wir passierten die Île Tascon…

Île de Bailleron

… und erreichten schließlich unser neues Zuhause für die nächsten 7 Tage. Dort bezogen Tobi und ich den ehemaligen Taubenschlag des Wohnhauses – wir danken Ina für ihren Einsatz dafür Zwinkerndes Smiley .

Frohlockende Taube

Seit die Insel zur Forschungsstation umgebaut wurde, ist der Raum natürlich entsprechend renoviert und für Tauben unzugänglich gemacht worden!
Man roch auch fast nichts von der Vergangenheit (Geistertaubenkot?).
Heute heißt er “Nautilusraum” und ist eigentlich für die Professoren reserviert. Ein Bild davon zum Abschluss…

Bald geht’s weiter!

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